Auf dem Spring Break Festival gab es ein Wiedersehen mit EABS.

Die acht Musiker aus Wrocław haben Stücke aus ihrem neuen Album Slavic Spirits gespielt, das nächsten Monat beim Label Astigmatic erscheint. (Astigmatic ist der Titel des vielleicht wichtigsten Polnischen Jazz-Albums, aufgenommen 1965 vom Krzysztof Komeda Quintet.)

Die EABS-Mitglieder sind derart produktiv, dass es in zahlreichen Konstellationen Nebenprojekte gibt. Zum Beispiel das Duo Zima Stulecia bestehend aus dem Drummer Marcin Rak und dem Keyboarder Marek Pędziwiatr.

Besonders vielversprechend ist Błoto – wieder mit Marcin und Marek und ergänzt um die EABS-Kollegen Paweł Stachowiak am Bass sowie Olaf Węgier am Tenorsaxophon. (Błoto ist übrigens das polnische Wort für „Schlamm“. Kommt also nicht auf die Idee, bei YouTube „błoto“ einzugeben – es sei denn, Ihr steht auf Schlammcatchen.)

Auf dem Spring Break feierte Błoto seine Live-Premiere. Das Quartett spielt einen Jazz, der deutlich mehr up beat ist und vom Hip-Hop beeinflusst als die neue EABS-Platte.

Auf Błotos Facebook-Seite findet man ein 50-sekündiges Video – mehr gibt’s bisher nicht. Wir müssen uns also wohl oder übel bis Anfang nächsten Jahres gedulden. Dann nämlich soll Błotos Debutalbum erscheinen. Bis dahin können wir uns die Zeit zum Beispiel auf dem EABS-Konzert am 13. Juni in der Berliner Passionskirche vertreiben.

Zu den Highlights des Spring Break Festivals gehörte ohne Zweifel das Konzert von Hania Rani im Scena na Piętrze. Beim Warten auf Einlass stand das Publikum dicht gedrängt bis auf die Straße und füllte den Raum dann auch bis auf den letzten Stehplatz. Wie fast alle Konzerte beim Spring Break währte auch das von Hania nur eine halbe Stunde. Zum Glück gab es beim Xjazz in Berlin eine weitere Gelegenheit Hania Rani live zu sehen. Auch hier durch Festival-Taktung zeitlich begrenzt, aber über eine Stunde lang und nicht weniger spannend zu sehen wie “komputer” und “looper” das Piano ergänzen.

Hania Rani is a pianist, composer and musician who splits her life between Warsaw, where she makes her home, and Berlin where she studied and often works. She has written for strings, piano, voice and electronics and has collaborated with the likes of Christian Löffler, Dobrawa Czocher and Hior Chronik, and released an album with her Polish group tęskno last year.

Spring Break

Christian Löffler haben wir auf dem Spring Break nicht getroffen, nur als Absackersoundtrack gehört, im Pies andaluzyjski. Wer Hania Ranis neues Album Esja hören möchte, kann das auf Platte, CD, selber spielend mit dem gerade veröffentlichten Songbook oder hier:

Das Stück Sun (auf dem Vertical Concert Grand von David Klavins):

Polskie Nagrania ist der Name eines alten Plattenlabels und der Name einer großartigen Band aus Szamotuły in der Nähe von Poznań, die sich dann auch mit alten Platten beschäftigt.
In jedem Fall perfekt, um beim Spring Break in Poznań aufzuspielen, und mit laufendem Tape unter bunten Lichtern ebenso perfekt für einen Klub, der nach einem surrealistischen Film benannt ist, dem Pies andaluzyjski.

Die Band besteht aus Piotr Ruciak (“gitara, wokal”), Jarosław Bogacki (“sampler”) und Patryk Kraśniewski an den Keyboards:

They make music in a basement despite the neighbours’ complaints. They sample old Polish recordings, dug up in flea markets and the attics of those born in a bygone era when there was nothing but vinegar and mustard adorning shop shelves. Digital bits mix with instrumental and vocal layers, giving these Polish hits a new lease of life. The guys swear a bit – not through a lack of education but because they don’t like beating about the bush. These three gentlemen create music that enters your ears, causes cramps in both your right and left calves, meaning it’s great for cutting some rug to. It’s music they themselves like. Their work is really worth checking out.

http://spring-break.pl/en/zespoly/polskie-nagrania/

Zu sehen gibt es zwei Intro-Videos:

Und zu hören das Album „Szamotuły” auf Kalejdoskop Records:

Es ist genau eine Redewendung, die ich in der Lage bin auf Polnisch aufzusagen: Niedaleko pada jabłko od jabłoni. Der Apfel fällt nicht weit vom Apfelbaum.

Der Apfelbaum ist in diesem Fall das polnische Jazz-Ensemble Tie Break, gegründet 1977.

In Tie Breaks aktueller Besetzung spielen die Brüder Marcin und Mateusz Pospieszalski.

Der Apfel sind ihre Söhne: Łukasz, Marek, Nikodem und Szczepan. Und weil sie nicht weit fallen, machen auch sie Musik. Jeder für sich – und seit kurzem auch gemeinsam als Santabarbara. In ihrer Wohnküche geht es trotz Meshuggah-T-Shirt recht beschaulich zu:

Wo im Video Marek ist, konnte ich nicht herausfinden. Am Wochenende auf dem Spring Break Festival stand (oder saß) er jedenfalls mit auf der Bühne. Und natürlich haben die vier Jungs dort mehr gespielt als nur diesen einen bislang veröffentlichten Track.

Falls sie auf mein Urteil gewartet haben sollten: Ja, könnt Ihr genau so auf Platte pressen! Los, ab ins Studio mit Euch!

[Nach Veröffentlichung dieses Artikels schrieb uns Santabarbara: Vielen Dank! Recently we play in trio, Marek is quite busy with other projects, however some day maybe he will join us.]

Sielska – sprich: schelska, deutsch: idyllisch – ist vielleicht nicht der passendste Ausdruck, um den Club zu beschreiben, den Robert und ich am Freitagabend betreten. Ein unsanierter Gründerzeitbau in Poznań. An der Decke ringen Stuck und Spinnenweben um die Vorherrschaft. Viereinhalb Meter tiefer wollen die Dielen mit Knarren in den Barlärm einstimmen. Doch jahrzehntelanges Ølen hat sie verstummen lassen. Irgendwie doch sielska!

Und Sielska ist dann auch der Name der Band, die hier gleich zum Tanz aufspielt. Musikalisch geht’s in Richtung … siel-Ska! Die Band selbst nennt ihre Musik „flexi pop“. Wenn es einen Zusammenhang zur gleichnamigen britischen Musikzeitschrift gibt, so verstehe ich ihn nicht … so wie ich überhaupt kaum etwas verstehe. Bis auf den Refrain:

Jutro nawet mnie nie poznasz.
Morgen wirst du mich nicht wiedererkennen.

Natürlich sind alle Reggae-Ska-Sachen live am besten. Immer. Also hier noch ein echter Live-Song:

Sollte das Quintett aus Poznań auf der Suche nach einem Namen sein, der auch im Deutschen funktioniert, mein Vorschlag: Arskadisch.

Your browser is out-of-date!

Update your browser to view this website correctly. Update my browser now

×