2013

Kultur­klubben Merav

KW 39 Lösa Boliner

Lösa Boliner ist nicht etwa Schwedisch für Berliner Loser, sondern heißt laut Wiktionary „planlos“ oder „auf gut Glück, ohne Versuch einer Kontrolle oder Berechnung“. Und so ist dieser Kulturklubbenbeitrag entstanden. Planlos, aber mit der zufälligen Entdeckung eines großartigen Videos der 2004 in Malmö von Carl Johan Lundgren gegründeten Band Vit Päls.

Träden dom vackra träden löven brunade sen trillar dom av
Vad hände med våra gröna katerdraler?
Vad tänkte folk som stoppade in strumpor i sandaler

— Robert

KW 38 Agnes und Ásgeir

Diese Woche möchte ich Euch zwei Menschen vorstellen, die so unbekannt nicht sein können. Beide haben es schon bis ins Programm der Berliner Philharmonie geschafft.

Da wäre zum einen Ásgeir. Als wir ihn im letzten Jahr im Adventskalender hinter Türchen 5 hatten, hieß er noch Ásgeir Trausti und sang auf Isländisch. Mittlerweile ist er ohne Nachnamen unterwegs und singt auf Englisch. Immer wieder wird erzählt, dass ihm John Grant beim Übersetzen der Texte geholfen habe. Das greife ich doch gerne auf, schließlich hatten wir John Grant auch schon mal im Kulturklubben.

Ásgeirs englischsprachiges Album erscheint am 28. Oktober. Ein Lieblingslied ist King and Cross, auf Isländisch heißt der Track Leyndarmál. Damit Ihr Euch selbst von der Qualität der Grant‘schen Übersetzung überzeugen könnt, hier nun beide Versionen:

Ein ganz großartiges Video zu diesem Lied – mit John Grant als König und Ásgeir Trausti als seinem Pagen und Troubadour – läuft derzeit auf AsgeirMusic.com.

Die zweite Künstlerin ist Agnes Obel. Es ist schon erstaunlich, dass ich seit anderthalb Jahren über dänische Musikerinnen und Musiker schreibe und der Name Agnes Obel noch kein einziges Mal gefallen ist.

Ihre Albumankündigung (Aventine am 30. September) nehme ich zum Anlass, dies zu ändern. Agnes Obel ist Jahrgang 1980 und lebt in Berlin. Beides gute Gründe, sie mit mir zu verwechseln. Aber es gibt auch Unterschiede. Zum Beispiel heißt ihr kleiner Bruder Holger, meiner Jonathan.

Ausdrücklich empfehlen kann ich ihr vor drei Jahren erschienenes Album Philharmonics (ein Schelm, wer hier Kalkül vermutet). Da es vermutlich viele von Euch bereits kennen, habe ich den titelgebenden Song des neuen Albums ausgewählt: Aventine. In einer extra langen Fassung aufgenommen im Heimathafen Neukölln.

— Simon

KW 37 National Jazz Trio Of Scotland

Ich mag das ja, wenn ich, ganz altmodisch-analog, eine Album-Neuerscheinung im Schaufenster oder in einer Zeitschrift entdecke. Das Anfang des Monats erschienene Album Standards Vol. II des National Jazz Trio Of Scotland ist so eins. In der De:bug stand über den Nachfolger des letzten Advent erschienenen Christmas Album, das auch im Kulturklubben schon rauf und runter lief:

Ein Mal pro Woche ist seit letztem Winter Weihnachten, so oft kommt die Xmas-Platte auf den Teller, das ausgestanzte Cover ist schon leicht mitgenommen, das Vinyl fängt langsam an so zu knistern, wie es das Klischee vorgibt. Jetzt also kein Schnee, sondern Wells'sche Kompositionen.

Ein neues Album, diesmal nur noch zwei Coverversionen, dafür waren Norman Blake vom Teenage Fanclub als Sänger bei zwei Stücken und Stevie Jackson und Chris Geddes von Belle & Sebastian an den Aufnahmen beteiligt.

A1 We Grow Accustomed
A2 Never To Be
A3 Winter Breaks And Back To Spring
A4 Hillwalk
A5 Chance
A6 Miyuki
A7 Just Found This Out
A8 Snowed In

B1 This Is What You Could Have Won
B2 Mary Of Argyle
B3 My Tiny Butterfly
B4 Things We Got Up To
B5 Unexpectedly

We Grow Accustomed.

Hillwalk.

Mit Chris Geddes am Vibraphon wurde 2010 auch das Debut des National Jazz Trio of Scotland aufgenommen, Frozen Vault.

Als Live-Aufnahme gibt es Miyuki, 2012 in der Royal Concert Hall Glasgow aufgezeichnet: Bill Wells, Kate Sugden, Lorna St John, Aby Vulliamy und Norman Blake.

— Robert

KW 36 Deer Bear

An diesem Wochenende erleben wir ein letztes Aufbäumen des Sommers. Bald ist er überstanden. Endlich wird es Herbst. Und die Dämonen kehren zurück.

Demons in your head they ate us up

Die Texte von Deer Bear waren schon bei ihrem Debütalbum herrlich vage, stets düster und ließen einen (alb-)träumen. Mit ihrer neuen EP A Darker Growth machen sie genau hier weiter.

Demons ist das erste Lied der EP. Damit Ihr besser mitsingen könnt, hat mir die Band erlaubt, den Text zur Gänze wiederzugeben:

Our house was enormous and it’d swallowed us up
When the sun was shinning outside it was cold inside
I felt small in the big house, I felt we’d run out of luck
The doors were closed tight so that we choked on our pride

I would search for a room to feel some warmth in
her cries fell like snow in every room
I would search for a room to make a noise in
his silence made our house silent as a tomb

Tears ran our cheeks and guilt and shame was thick in the air
I was a small child then and I thought I was dying with him
Grew a still face so that the mirror wouldn’t show despair
I felt alone and wanted to be close to him

Demons in your head they ate us up
and our big house was so still
Its windows like eyes all closed tight
Its door like a mouth all shut and dark

His pain was enormous and it tore us apart
he could no longer contain it inside
as if resurrected, same face, different heart
I was terrified and thought that hed’d finally died

The door was now all open and it was singing a song
It was loud and clear and for everyone to hear
But all turned their backs as if nothing was wrong
They left us inside that house to dissapear

Tears ran our cheeks and guilt and shame was thick in the air
I was a small child then and I thought I was dying with him
Grew a still face so that the mirror wouldn’t show despair
I felt alone and wanted to be close to him

Demons in your head they ate us up
and our big house was so still
Its windows like eyes all closed tight
Its door like a mouth all shut and dark

Und zum dritten Lied, Brainwaves, gibt es sowohl ein offizielles Video, als auch diese schöne Live-Version aus dem Dryeparken Aarhus:

— Simon

KW 35 Out of Our Hiding

Hugo Lavett, Ivar Lavett, Gunnar Camner und Martin Hwasser sind die Most Valuable Players. Ihr zweites Album nach You In Honey heißt Left und hat sieben Jahre bis zu seiner Veröffentlichung gebraucht.

Someone once described Most Valuable Players as a band ‘built from failure’. This was said some years into the making of Left, the follow up to their 2006 debut album You In Honey. And yes, that it would take over seven years of dedicated recording for the four childhood friends from Stockholm to finish the ten songs on the album is, in some ways, a failure: A lifetime has passed. But that’s all history now.

We Came Out of Our Hiding war dann wohl die treffende Wahl für ein erstes als Video veröffentlichtes Stück.

Passend zur spätsommerlichen Jahreszeit auch dieses Video zu Some Nerve, dem zweiten Stück des Albums:

Das ganze Album gibt es als Vinyl mit Cover und Poster von Karin Cyrén und hier zum Hören:

A1. A Hint
A2. Some Nerve
A3. Life Song
A4. Possibilities
A5. With a Love Like That

B1. Left
B2. We Came Out of Our Hiding
B3. Looks & Books
B4. You´re a Child Now
B5. Between Our Faces

— Robert